Massivhaus Westreicher und die Synergie von Passivbauweise sowie modernem Sonnenschutz

Die Realisierung eines modernen Wohn- und Bürogebäudes, wie es im Fall des Hauses Westreicher in Hall in Tirol exemplarisch dargestellt wird, erfordert eine präzise Abstimmung zwischen energetischer Architektur, technischer Gebäudeausrüstung und funktionalem Sonnenschutz. In der heutigen Baupraxis, insbesondere bei der Errichtung von Niedrigstenergie- und Passivhäusern, ist die thermische Hülle zwar optimiert, jedoch führt genau diese hohe Dichtigkeit und Isolation in Kombination mit großen Glasflächen zu einer kritischen Problematik: der sommerlichen Überhitzung. Das Haus Westreicher demonstriert, wie durch die gezielte Integration von Hochleistungs-Sonnenschutzsystemen und einer konsequenten Passivbauweise ein Gebäude entsteht, das sowohl ökologische Spitzenwerte erreicht als auch einen maximalen Nutzerwert bietet. Ein solches Objekt fungiert nicht nur als Wohnraum, sondern integriert auch Arbeitsbereiche, was spezifische Anforderungen an die Lichtsteuerung und die Blendfreiheit stellt.

Energetische Architektur und klimaaktiv-Zertifizierung des Haus Westreicher

Das Haus Westreicher in Obere Lend, 6060 Hall in Tirol, ist nicht lediglich ein Gebäude, sondern ein hochperformantes System, das die strengen Anforderungen der Passivbauweise erfüllt. Die energetische Qualität wird durch die klimaaktiv-Deklaration aus dem Jahr 2017 untermauert, bei der das Objekt die Kategorie klimaaktiv Gold erreicht hat. Diese Auszeichnung ist ein Beleg für eine außergewöhnlich effiziente Planung und Ausführung.

Die Gesamtpunktzahl von 925 von 1000 Punkten verdeutlicht, dass das Gebäude in fast allen relevanten Kategorien Spitzenwerte erzielt. Besonders hervorzuheben ist die Kategorie Energie und Versorgung, die mit 600 Punkten den größten Teil der Bewertung ausmacht. Dies korreliert direkt mit dem extrem niedrigen Heizwärmebedarf (HWB) von lediglich 7,0 kWh/m²a. Ein solcher Wert ist charakteristisch für Passivhäuser und bedeutet, dass die Energiebedürfnisse zur Beheizung des Gebäudes auf ein Minimum reduziert wurden, was langfristig zu massiven Kosteneinsparungen bei den Betriebskosten führt und den CO2-Fußabdruck des Gebäudes drastisch senkt.

Die detaillierte Punkteverteilung der klimaaktiv-Zertifizierung zeigt die ganzheitliche Herangehensweise:

Kategorie Erzielte klimaaktiv Punkte
Energie und Versorgung 600
Standort 87
Baustoffe und Konstruktion 133
Komfort und Gesundheit 105
Gesamt 925

Technische Gebäudeausrüstung und Infrastruktur

Um die geforderte Energieeffizienz des Hauses Westreicher zu gewährleisten, wurde ein komplexes Zusammenspiel verschiedener technischer Komponenten implementiert. Die Basis bildet die Passivbauweise, die durch eine kontrollierte Wohnraumlüftung (WRL) mit Wärmerückgewinnung (WRG) ergänzt wird. Dieses System sorgt dafür, dass kontinuierlich frische Luft in die Räumlichkeiten gelangt, während die Wärme der Abluft effizient zurückgewonnen wird, um die Zuluft zu erwärmen. Dies verhindert Energieverluste durch klassisches Lüften und steigert die Luftqualität im Inneren.

Für die thermische Energieversorgung wird ein Kompaktgerät einer Wärmepumpe vom Hersteller Stiebel Eltron, Modell 404 SOL, eingesetzt. Diese Technologie nutzt Umweltenergie, um Wärme zu erzeugen, und ist in Kombination mit einer Fußbodenheizung die effizienteste Methode, um eine gleichmäßige und behagliche Raumtemperatur im gesamten Gebäude zu gewährleisten. Zusätzlich ist das Haus mit einer PV-Anlage mit einer Leistung von 6,25 kwP ausgestattet, welche die elektrische Energie für die Wärmepumpe und andere Verbraucher teilweise oder vollständig aus regenerativen Quellen speist.

Die physischen Parameter des Objekts ergänzen das energetische Profil:

  • Nettonutzfläche: 203,65 m²
  • Anzahl der Wohn-/Nutzungseinheiten: 2
  • Bauweise: Passivbauweise (klimaaktiv Gold)

Die kritische Rolle des Sonnenschutzes in Passivhäusern

Ein zentrales Problem von Niedrigstenergiehäusern und Passivhäusern, wie dem Haus Westreicher, ist die Gefahr der sommerlichen Überhitzung. Aufgrund der exzellenten Dämmung und der oft großflächigen Verglasungen an der Süd- und Westseite können diese Gebäude im Sommer ohne adäquaten Sonnenschutz nahezu unbewohnbar werden. Die solaren Gewinne führen zu einem rapiden Temperaturanstieg im Innenraum, der durch konventionelle Lüftung kaum zu bewältigen ist.

Der Baumeister Westreicher von der Massivhaus GmbH hat daher in seinen Projekten, insbesondere beim Haus Westreicher in Hall in Tirol, konsequent auf Produkte von Schlotterer gesetzt. In Passivhäusern ist der Sonnenschutz kein optionales Zubehör, sondern eine funktionale Notwendigkeit, um die thermische Stabilität des Innenraums zu gewährleisten.

Implementierung der RETROLux Lichtlenkungslamellen

Speziell für das Haus Westreicher, das als Kombination aus Wohn- und Arbeitsbereich konzipiert wurde, wurde die RETROLux Lichtlenkungslamelle gewählt. Die Herausforderung bei gemischt genutzten Gebäuden besteht darin, dass unterschiedliche Anforderungen an die Lichtverhältnisse herrschen. Während im Wohnbereich Gemütlichkeit und Sichtschutz im Vordergrund stehen, ist im Arbeitsbereich eine blendfreie Ausleuchtung der Arbeitsplätze zwingend erforderlich, ohne dass der Raum komplett verdunkelt wird.

Die RETROLux-Technologie löst dieses Problem durch eine intelligente Lichtlenkung. Im Gegensatz zu Standard-Raffstoren, die das Licht entweder blockieren oder unkontrolliert in den Raum lassen, leitet die RETROLux-Lamelle das Tageslicht gezielt in die Tiefe des Raumes.

Die Auswirkungen dieser Technologie auf die Nutzbarkeit des Hauses Westreicher sind signifikant:

  • Vermeidung von Blendung: Auch bei geschlossenem Sonnenschutz bleibt der Arbeitsbereich blendfrei, was die Konzentration steigert und die Ermüdung der Augen reduziert.
  • Tageslichtnutzung: Sowohl im Privat- als auch im Arbeitsbereich bleibt es hell und freundlich, wodurch der Bedarf an künstlicher Beleuchtung während des Tages minimiert wird.
  • Hitzeschutz: Die Lamellen strahlen die Hitze effektiv ab, bevor sie in den Innenraum eindringen kann.

Vergleich zwischen Standard-Beschattung und RETROLux-Systemen

Die Überlegenheit der RETROLux-Lösung wird besonders im direkten Vergleich deutlich, wie es beispielsweise bei einem Referenzprojekt in Salzburg (Familie Seiwald) dokumentiert wurde. In diesem Fall wurde ein Fensterelement im nach Süden und Osten orientierten Wohnbereich für einen Zeitraum von acht Wochen mit einem Standard-Raffstore ausgestattet, während die anderen Elemente mit RETROLux bestückt waren.

Die Analyse dieses Vergleichs zeigt:

  • Standardbehang: Führt oft zu einer stärkeren Verdunkelung des Raumes, wenn ein effektiver Hitzeschutz gewünscht ist. Dies zwingt die Nutzer dazu, künstliches Licht einzuschalten.
  • RETROLux-Behang: Verbindet Hitzeschutz und Blendschutz mit einer gleichzeitigen Durchsicht und hoher Lichtausbeute.

Diese Erkenntnis ist für das Haus Westreicher von zentraler Bedeutung, da hier die funktionale Verschmelzung von Wohnen und Arbeiten eine maximale Lichtqualität erfordert.

Erweiterte Sonnenschutzlösungen und Insektenschutz in der Sanierung und im Neubau

Neben den Passivhaus-Projekten zeigt die Expertise in der Anwendung von Schlotterer-Produkten, dass für unterschiedliche Gebäudetypen verschiedene Lösungsansätze notwendig sind. Dies wird deutlich bei Sanierungsprojekten, bei denen die optische Harmonie zwischen Altbau und Neubau eine Herausforderung darstellt.

In Sanierungsszenarien kommen beispielsweise Vorbaurollläden mit Alulamellen zum Einsatz, da diese eine langlebige Lösung für Sichtschutz und Hitzeschutz bieten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Insektenschutz, der insbesondere in ländlichen Regionen, wie dem Waldviertel, eine Notwendigkeit darstellt. Hier werden je nach Anforderung unterschiedliche Systeme kombiniert:

  • Schiebeelemente: Für flexible Öffnungen.
  • Fixelemente: Für dauerhaften Schutz.
  • Drehtürenelemente: Für begehbare Durchgänge.

Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Robustheit. In Projekten mit Haustieren müssen die Gitter stark genug sein, um beispielsweise den Krallen von Katzen standzuhalten, ohne an ästhetischem Wert zu verlieren.

Anwendung in öffentlichen und gewerblichen Gebäuden

Die Prinzipien, die auch beim Haus Westreicher angewandt wurden, finden Anwendung in großmaßstäblichen Projekten, wie dem Schulzentrum Radstadt oder dem Bürogebäude GeoSphere Austria in Salzburg-Nonntal. In Schulen ist die Lichtqualität essenziell für den Lernprozess. Konventionelle Beschattungssysteme führen oft zur Verdunkelung, was künstliches Licht erforderlich macht. Es ist nachweislich belegt, dass künstliches Licht die Konzentration von Schülern schneller ermüden lässt.

Die Implementierung von RETROLux im Schulzentrum Radstadt zielt darauf ab:

  • Eine gleichmäßige Ausleuchtung der Klassenzimmer durch Tageslicht zu schaffen.
  • Die Hitze effektiv abzustrahlen und so ein angenehmes Raumklima zu gewährleisten.
  • Blendfreie Arbeitsumgebungen zu schaffen, die die Lernfreude und Konzentration fördern.

Im Bürogebäude GeoSphere Austria wird zudem die Raffstore-Automatik eingesetzt. Diese verhindert bereits in den frühen Morgenstunden ein Aufheizen der Innenräume, während die manuelle Einstellung der Lamellen es den Mitarbeitern ermöglicht, den Lichteinfall an ihrem spezifischen Arbeitsplatz individuell zu steuern.

Zusammenfassung der technischen Komponenten für Hochleistungshäuser

Die folgenden Tabellen fassen die wesentlichen technischen Entscheidungen und deren Auswirkungen für moderne Massivhaus-Projekte zusammen, orientiert an den Referenzen von Westreicher und Schlotterer.

Technische Ausstattung des Haus Westreicher:

Komponente Spezifikation Zweck
Bauweise Passivhaus Minimierung des Energiebedarfs
Zertifizierung klimaaktiv Gold Nachweis höchster energetischer Standards
HWB 7,0 kWh/m²a Extrem niedriger Heizwärmebedarf
Lüftung WRL mit WRG Kontrollierter Luftaustausch mit Wärmerückgewinnung
Heizung Wärmepumpe Stiebel Eltron 404 SOL Effiziente, regenerative Wärmeversorgung
Energie PV-Anlage 6,25 kwP Eigenstromproduktion zur Effizienzsteigerung
Sonnenschutz Schlotterer RETROLux Lichtlenkung, Blendschutz und Hitzeprävention

Vergleich der Sonnenschutz-Systeme:

System Hauptvorteil Idealer Einsatzbereich
RETROLux Tageslichtlenkung ohne Blendung Büro, Passivhaus, Schulen
Vorbaurollläden Langlebigkeit, vollständiger Sichtschutz Sanierung, Altbau
Textile Screens Wetterfest, wartungsfrei, maßgeschneidert Moderne Architektur, Gemütlichkeit
Rollläden Komplette Abdunkelung, Sicherheit Schlafräume, Erdgeschoss
Raff S Schnelle Montage (vormontiert) Neubau, Zeitkritische Projekte

Analyse der ganzheitlichen Bauplanung

Das Haus Westreicher ist das Ergebnis einer integrativen Planungsstrategie. Die Analyse zeigt, dass Energieeffizienz (klimaaktiv Gold) und Nutzerkomfort (RETROLux) keine Gegenspieler sind, sondern sich gegenseitig bedingen. Ein Haus mit einem HWB von 7,0 kWh/m²a wäre ohne die präzise Lichtlenkung und Hitzeschirm-Funktion der Schlotterer-Systeme in den Sommermonaten kaum bewohnbar.

Die Entscheidung für RETROLux ermöglicht es, die Vorteile großer Fensterflächen (Licht, Ausblick, Architektur) zu nutzen, ohne die Nachteile (Hitze, Blendung) in Kauf nehmen zu müssen. Dies ist insbesondere in der Kombination von Wohn- und Arbeitsbereichen entscheidend. Die Integration von PV-Anlagen und Wärmepumpen schließt den Kreis zu einem nahezu autarken energetischen System.

Letztendlich beweist das Beispiel des Haus Westreicher, dass die Kombination aus Massivbauweise, Passivhaus-Standards und innovativer Beschattungstechnik den Weg zu einer nachhaltigen Architektur weist, die höchsten Komfort bei geringstem Ressourcenverbrauch bietet. Die Konsistenz, mit der Baumeister Westreicher diese Lösungen in seinen Projekten einsetzt, unterstreicht die Verlässlichkeit und die technische Überlegenheit dieser Systemkombination.

Quellen

  1. Schlotterer Referenzen
  2. klimaaktiv Haus Westreicher

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